So da war ich nun. An einem Samstag oder Sonntag zog Bobby bei mir ein. Die kommende Woche musste ich noch arbeiten und dann hatte ich zwei Wochen lang Urlaub. Doch wie eigentlich hab ich mir das vorgestellt? Da zieht ein Hund ein und alles ist gut. Oder etwa nicht? Ziemlich naiv oder? Auf jeden Fall!

Ich wohnte  mit drei anderen Leuten zusammen in einer WG in Berlin Lichtenberg. War berufstätig und am Wochenende besuchte ich meinen Freund in Cottbus oder er mich. Doch konnte Bobby denn alleine bleiben, wie reagierte er auf meine Mitbewohner und auf meinen Freund und umgekehrt? Reagiert er auf Geräusche im Hausflur und bellt? Viele andere Fragen rauschten durch meinen Kopf. Ich war so gar nicht auf einen Hund vorbereitet. Ich muss zugeben, dass die Adoption von Bobby sehr von Emotionen geleitet war und sehr schnell ging. Dies war nicht wirklich gut bzw. mal gar nicht von mir durchdacht.

Unser erster gemeinsamer Spaziergang stand bevor. Ich holte sein Halsband und die Leine und erwartete einen freudig springenden und aufgeregten Hund. „Bobby? Boooobbyyy??“ keine Spur von ihm. Ich ging in mein Zimmer und da lag er in seinem Korb und schaute mich an. Freude sah anders aus. Ich legte ihm das Halsband an und leinte ihn an. Da stand er plötzlich auf und ging mit mir zur Tür. Ab durch den Hausflur und raus. Sein Entsetzen war ihm deutlich anzusehen. Wir gingen los und er folgte mir langsam. Ich wollte eine Seitenstraße überqueren, aber das sah Bobby anders und kehrte um und starrte in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Da standen wir nun. Ich wartete einen kleinen Augenblick und ging mit ihm zurück, um aber gleich wieder zu der besagten Seitenstraße zurückzukehren. Unser erster Spaziergang bestand darin, ca.20 Minuten lang zwischen der Haustür und dieser verdammten Seitenstraße hin und her zu laufen, bis Bobby einmal sein Bein hob. Wir gingen dann nach Hause. Hatte ich erwähnt, dass es am Tag war? Im Dunkeln ging erstmal gar nichts. Zwar sind wir auch hin und her gelaufen, aber an ein Geschäft war nicht zu denken.

Es war Montag und ich musste arbeiten. Bobby und ich streiften am frühen Morgen durch unsere Straße bis zur Seitenstraße und pendelten wieder hin und her. Dann musste ich los zur Arbeit. Bobby blieb in der Wohnung und hatte mein Zimmer, Flur, Bad und Küche zur Verfügung. Natürlich ging an diesem Tag nichts auf Arbeit. Meine Gedanken kreisten nur um Bobby. Geht es ihm gut? Kann er alleine bleiben? Bellt oder jault er gerade? Macht er etwas kaputt? Pinkelt oder kackt er in die Wohnung? Ich kam nach Hause. Ich öffnete die Tür und erwartete einen freudigen Hund. Doch niemand begrüßte mich. Ich zog meine Schuhe und Jacke aus und wollte meine Hausschuhe anziehen. Doch komischer Weise, waren diese weg. Ich ging in mein Zimmer. Da lag er in seinem Korb und unter ihm ein Hausschuh. Als er mich sah, freute er sich und sprang auf. Nachdem ich Bobby begrüßt hatte, begutachtete ich meinen Hausschuh. Doch Fehlanzeige, er war nicht kaputt. Ich schaute mich in der Wohnung um, fand aber nichts, außer einer Kuhle und meinen zweiten Hausschuh in meinem Bett. Im Nachhinein muss ich sagen, hatte ich ein riesen Glück mit Bobby. Es hätte auch anders kommen können. Zerkratzte Türen, ausgeräumter Mülleimer, Urinpfützen um nur einige Dinge zu nennen, die hätten passieren können.

Die Spaziergänge zwischen der Haustür und der Seitenstraße wurden immer besser. Doch an ein Überqueren der Straße war nicht zu denken. Um Bobby Sicherheit zu geben, versuchte ich den Tagesablauf nicht zu verändern. Also aufstehen, fertig machen, frühstücken, raus gehen, Frühstück für Bobby, arbeiten, nach Hause, raus gehen, zu hause ein bisschen kuscheln und etwas trainieren, Abendbrot für Bobby, raus gehen und schlafen. Die Woche verlief immer im gleichen Schema ab und Bobby taute langsam auf.

In der Wohnung suchte Bobby gerne den Kontakt zu meinen Mitbewohnerinnen, jedoch hatte es mein Mitbewohner M. recht schwer. Er ließ sich zwar von ihm streicheln, jedoch sah man Bobby doch stark an, dass es ihm unangenehm war. Das Verhältnis zwischen Bobby und meinem Mitbewohner M. änderte sich auch im Laufe der Zeit nicht. Grundsätzlich hatten Männer es immer etwas schwerer bei Bobby, abgesehen von meinem Freund. Die beiden verstanden sich von Anfang an.

So war die erste Woche doch recht ruhig. Erst im Urlaub zeigte Bobby sein Temperament und ich sah den Hund, den ich mir gewünscht hatte. Wie der Urlaub aussah, welche Hürden wir nehmen mussten und welche Glücksmomente wir hatten, erfährst du im nächsten Beitrag.

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