Es ist schon merkwürdig, dass Dinge die sonst immer klappen, plötzlich nicht mehr funktionieren. Bobby auf seinen Platz zu schicken, ist so ein Fall. Unsere Küche ist recht klein und sie ist noch enger, seit dem unsere Tochter auf der Welt ist. Da gibt es jetzt einen zusätzlichen Stuhl und noch anderen Krams, der in der Küche Platz haben muss. Bobbys Platz musste dafür weichen und er wanderte in den Flur.

Nun ist es so, dass er oft im Weg steht und ich ihn in sein Körbchen schicken muss. Was er sonst immer mit einer Freude gemacht hat, funktioniert jetzt mäßig bis gar nicht. Wenn ich ihm das Signal gebe, dreht er sich einmal im Kreis und setzt sich hin. Ich versuche es ein zweites Mal und es passiert genau das gleiche. Währenddessen quängelt meine Tochter, da sie Hunger hat. Ich wusel in der Küche hin und her und Bobby sitzt immer noch im Weg. Nach fast 8 Monaten Schlafmangel liegen meine Nerven blank und es passiert: lautstark und mit zorniger Stimme schicke ich Bobby auf seinen Platz. Er flüchtet regelrecht in sein Körbchen und ich denke mir FUCK! So wollte und will ich das nicht. Bei den darauf folgenden Versuchen Bobby aus der Küche zu schicken, flüchtet er unter den Küchentisch. Was passiert ist? Das kann ich dir sagen, Bobby hat Angst. Auch wenn ich das Signal freundlich sage, hat Bobby das Signal mit der Angst, die er empfunden hat, verknüpft.

Aber warum hat er denn plötzlich so schlecht auf das Signal reagiert? Ich denke, dass das wohl ein schleichender Prozess war. Seitdem unsere Tochter da ist, hat sich für Bobby nämlich einiges geändert. Bisher habe ich mit ihm auf den Spaziergängen einiges geübt und auch zu Hause Tricks mit ihm trainiert. Doch das konnte ich nicht mehr leisten. Denn meine Tochter versorgen, arbeiten, Haushalt, Zweisamkeit mit dem Partner und Bobby, um nur ein paar Dinge zu nennen, die ich unter einen Hut bringen musste und der dazugehörige Schlafmangel, ließen mich nicht gerade vor Kraft strotzen. So musste es kommen, dass das ein oder andere etwas vernachlässigt wurde und das war Bobby. Er hörte auch draußen schlechter und war weniger bereit mit mir zu kooperieren, was wohl an den eintönigen Spaziergängen lag. Da ist es nur verständlich, dass er nicht bereit war mit mir zusammen zu arbeiten.

Es musste sich etwas ändern!

Ich musste mich ändern!

Das hieß für mich, dass ich einen Weg finden musste, um in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren zu können. Schokolade ist da natürlich ein effektiver Weg. ;O) Nein Spaß beiseite. Einen direkten Weg habe ich nicht gefunden. Wenn es stressig wird, atme ich erst einmal tief ein. Ich weiß, dass ist kein toller Tipp, aber mir hilft es immer. Aber was viel wichtiger ist und auch in diesen stressigen Situationen hilft, ist das Training mit Bobby in unstressigen Situationen.

Also habe ich an bestimmten Stellen in der Wohnung ein paar Dosen mit Leckerlis gestellt, um immer welche parat zu haben. Für jedes freiwillige ins Körbchen gehen, gab es eine Belohnung und die war manchmal auch sehr besonders. Da gab es dann auch den Joghurt oder Quarkbecher zum auslecken oder die Breireste meiner Tochter, die Bobby äußerst gerne isst. Zusätzlich trainierte ich das Signal auf die Decke gehen mit ihm. Ich achtete sehr darauf, dass ich dies immer sehr freundlich sagte und mich auch stimmlich über das richtige Verhalten sehr freute. Es wäre wahrscheinlich empfehlenswerter ein völlig neues Signal mit ihm zu trainieren, da die negativen Emotionen mit dem Signal „Decke“ doch recht stark waren. Doch ich muss zugeben, dass ich mich mit neuen Signalen recht schwer tue. Ich empfehle dir aber, solltest du mal ein verpfuschtes Signal haben, dann immer ein neues zu trainieren.

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Auch unsere Spaziergänge änderten sich. Die Wege blieben zwar gleich, da es bei uns nicht allzu viele Möglichkeiten gibt, aber die Qualität des Spaziergangs änderte sich. So trainierte ich wieder an den Grundsignalen mit Bobby und verstärkte seinen freiwilligen Blickkontakt zu mir. Sein Lieblingsspielzeug begleitet uns nun auch immer. Natürlich spielen wir damit nach Herzenslust, aber ich setze es auch zum Training ein. Bobby wartet zum Beispiel und ich verstecke es oder ich werfe das Spielzeug. Bobby muss dabei sitzen bleiben. Das ist eine sehr anstrengende Übung und trainiert die Impulskontrolle. Anschließend darf Bobby das Spielzeug suchen.

Ich mache auch Futtersuchspiele mit ihm und lasse ihn auch über Baumstämme laufen oder schicke ihn auf Entfernung auf eine Erhöhung. Es passiert immer irgendetwas und so ist Bobby mir gegenüber immer sehr aufmerksam.

Zu Hause nehme ich mir fast immer extra Zeit für ihn zum kuscheln oder ein kleines Training. Wir trainieren dann kleine Tricks die Sinn oder auch nicht machen, Hauptsache Spaß. Und ja, Bobby darf jetzt auch ab und zu auf die Couch.

Man sieht Bobby richtig an, wie zufriedener er jetzt ist und dass er sehr gerne mit mir kooperiert und das macht, was ich von ihm möchte. Wenn ich aber wieder zu gestresst bin und dann etwas von ihm will, dann wird es wieder schwierig. Aber das liegt an mir, da ich in diesen Situationen meine Signale anders gebe als sonst und Bobby dadurch gestresst wird und er somit nicht mehr wirklich denken, sondern nur Fluchtverhalten zeigen kann. Das ist eine völlig natürlich Reaktion. Also muss ich an mir und den Umgang mit Stresssituationen arbeiten.

Aber ich denke, dass bekommen wir hin und wir sind jetzt schon auf einem guten Weg.

Lasst euch nicht stressen.

Deine Tina

 

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