Brauchen Hunde andere Hunde zu ihrem Glück?

Hunde brauchen sozialen Kontakt. Das ist gar keine Frage. Jedoch in erster Linie von ihrem Menschen. Ob ein Hund Kontakt zu einem anderen Hund möchte, hängt vom Hund selber ab. Nicht jeder Hund will jeden Hund kennenlernen oder gar mit einem zusammen leben.

Jedoch muss uns klar sein, dass ein Hund ohne soziale Kontakte mit anderen Hunden kein Sozialverhalten lernen kann.

Dem Hund sollte von Beginn an die Gelegenheit gegeben werden Sozialverhalten zu lernen und dieses zu schulen. Das Lernen vom Sozialverhalten beginnt mit seinen Geschwistern und seiner Mutter und anschließend in einer gut geführten Welpengruppe. Eine reine Spielgruppe für Welpen ist eher ungeeignet, da die Welpen in so einer Gruppe zu lange spielen und der Welpe mit den ganzen Eindrücken überfordert sein könnte. Stress wäre die Folge und ein Lernen ist dadurch nicht möglich. Hinzu kommt, dass durch das zu lange Spielen dein Welpe überdreht und das Spiel kippt. Oft wird das Spiel dann sehr rüpelhaft und es entstehen Mobbingsituationen. Ein weiterer Negativeffekt ist, dass dein Welpe lernt, dass andere Hunde immer Spiel und Spaß bedeuten. Dadurch produzierst du einen Hund, der beim Anblick eines anderen Hundes sich aufregt und um jeden Preis hin möchte. Leinenzerren und aus Frust an der Leine bellen, da er nicht zum anderen Hund kommt, um Spaß zu haben, sind die Folgen. Da macht es doch Sinn deinem Welpen von Beginn an beizubringen, auch zu entspannen und in Anwesenheit anderer Hunde ruhig zu bleiben. Nur so wird dein Hund später bei Hundebegegnungen gelassen sein.

Aber gutes Sozialverhalten ist nicht nur schönes Spiel. Es beinhaltet auch bei Begegnungen mit anderen Hunden sich richtig anzunähern, die Signale eines anderen Hundes lesen zu können und adäquat darauf zu reagieren. Dein Hund sollte auch lernen seine Bedürfnisse mittels seines Verhaltens mitteilen zu können und das diese respektiert werden.

Aber wie viele Hundefreunde sollte dein Hund haben?

Grundsätzlich gilt. Achte auf die Bedürfnisse deines Hundes. Möchte dieser generell Kontakt zu anderen Hunden haben oder möchte er nur Kontakt zu bestimmten Hunden haben? Vielleicht möchte dein Hund auch gar keinen Kontakt zu anderen Hunden haben. Oft denken wir Menschen, wie schön es wäre, wenn mein Hund mit anderen Hunden spielt und tobt und dass er das doch bestimmt auch braucht. Doch nicht jeder Hund findet das toll und braucht den Kontakt mit anderen Hunden. Deshalb sollten nicht wir entscheiden, sondern unserer Hund und dieses sollten wir respektieren. Sofern dein Hund gerne Kontakt mit anderen Hunden hat, solltest du aber auch auf eine gesunde Dosis achten und dass dein Hund gutes Sozialverhalten lernt. Lieber ein paar gute und schöne Sozialkontakte als viele und schlechte.

Kann ein schlecht sozialisierter Hund sein Verhalten ändern

und gutes Sozialverhalten lernen?

Ein schönes Beispiel dafür ist  Bobby. Bobby ist als Welpe angeschossen in Portugal gefunden worden und in einer Pflegestelle aufgewachsen. Ein älteres Paar waren seine Pflegeeltern und mit ihnen lebten noch ca. 20 andere Hunde mit auf dem Grundstück. Alle liefen auf dem Gelände und auch im Haus frei rum und konnten tun und lassen, was sie wollten. Eigentlich ein schöner Ort zum aufwachsen und man sollte meinen das Bobby ein durch und durch gut sozialisierter Hund ist. Das dachte ich auch.

Als Bobby zu mir kam, wohnte ich noch in Berlin. Dort gibt es Hundeauslaufgebiete und eingezäunte Flächen extra für Hunde. So eine Fläche befand sich auch bei mir in der Wohngegend. Natürlich wollte ich Bobby seinen gewohnten Kontakt zu Artgenossen nicht vorenthalten. Auf der Wiese angekommen, leinte ich Bobby ab. Ja was soll ich sagen, Freude sah deutlich anders aus. Er sah die anderen Hunde, zog seine Rute unter den Bauch, krümmte seinen Rücken und lief von den Hunden weg. Er hatte keine Chance und so wurde er von drei anderen Hunden erst einmal unter die Lupe genommen. Das gefiel Bobby gar nicht und er schnappte wie wild um sich. Da ich es damals nicht besser wusste, ging ich öfter auf diese Fläche, weil ich dachte, Bobby wird es schon lernen und auch irgendwann dort mit anderen Hunden spielen. Denn er kannte doch andere Hunde von der Pflegestelle. Ich machte es dadurch nur schlimmer und Bobby verfeinerte sein Verhalten und so wurde aus ihm ein Hund, der beim Anblick eines anderen Hundes laut stark bellte und auch um sich schnappte. Somit mied ich sämtliche Hundekontakte und erstarrte regelrecht, wenn uns ein anderer Hund entgegen kam. Dies war keine schöne Zeit für mich und Bobby und ich machte mir Vorwürfe, dass ich Bobby in diese Situationen gebracht hatte und ihm nicht geholfen habe. Durch meine Ausbildung zur Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin verstand ich meine Fehler und begann daran zu arbeiten.

Warum Bobby so war? Das kann ich nur vermuten, aber ich denke, dass er ein Mobbing Opfer auf der Pflegestelle war und somit gelernt hat, dass andere Hunde für ihn nichts Gutes bedeuten. Deshalb wie oben bereits erwähnt, ist es besser du hast mit deinem Hund lieber ein paar gute Sozialkontakte als viele schlechte.

Aber auch ein Hund mit schlechten Sozialverhalten bzw. schlechten Erfahrungen kann wieder gutes Sozialverhalten lernen.

Als ich 2012 nach Cottbus zog, lernte ich meine Freundin Nadine und ihre Hündin Marly kennen. Wir hatten die Vorstellung gemeinsame Spaziergänge zu unternehmen und hofften, dass unsere Hunde sich verstehen würden. Da Marly in Bezug auf andere Hunde auch nicht gerade einfach war, waren wir beide natürlich sehr aufgeregt bei unserem ersten Spaziergang und weit entfernt vom entspannt spazieren gehen. Wie gut oder wie schlimm der erste Spaziergang war, kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Und obwohl Marly recht stürmisch in ihrer Begrüßung war, so reagierte sie doch von Anfang an sofort auf Bobbys Zeichen und wenn nicht unterstützten wir Bobby, indem Nadine Marly abrief und ich jegliches gutes Verhalten von Bobby markierte und belohnte bzw. ihn positives Feedback gab und wir ihn dabei unterstützten, die für ihn blöde Situation zu lösen. Bobby lernte dadurch, dass er nicht sofort rum schnappten musste, damit Marly weg geht, sondern dass andere feinere Signale schon ausreichten. Somit konnte Bobby lernen, dass Marly ein Hund ist, der auf ihn und seine Bedürfnisse eingeht und die Spaziergänge wurden immer entspannter. Jedoch war an ein Spiel bis dahin nicht zu denken.

                      

Wie bereits gesagt, hatte auch Marly so ihre Probleme, wenn es um andere Hunde ging. Sie war recht unsicher, wenn uns andere Hunde entgegen kamen. Doch das größere Problem bestand darin, dass sie die Zähne zeigte, sobald ein Hund bei Nadine war und das ohne zu knurren. Das bedeutete, dass wir immer sehr aufmerksam sein mussten, sobald Bobby sich Nadine näherte. Doch dann gab es eine Situation, wo wir beide unaufmerksam waren und keiner von uns Marlys Drohung bemerkte. Damals ging alles sehr schnell und Bobby hatte eine kleine Bissverletzung an seiner Schulter. Alle waren danach sehr aufgeregt und wir gaben uns dafür die Schuld, da wir nicht gut genug aufgepasst hatten. Wir ließen eine Zeit vergehen bis wir uns wieder zum spazieren gehen verabredeten. Wir malten uns die schlimmsten Szenen aus, beim ersten Zusammentreffen nach der Auseinandersetzung. Doch nichts davon traf ein. Bobby war etwas zurückhaltender und Marly äußerst liebevoll. Sie überhäufte ihn mit Küssen. Seit diesem Vorfall zeigt Marly auch nicht mehr die Zähne, wenn Bobby zu Nadine ging und tatsächlich spielen die beiden miteinander. Warum die beiden jetzt spielen und nicht schon vor dem Vorfall, kann ich tatsächlich nicht sagen. Jedoch freuen sich jetzt beide auf einander und haben auch ein gemeinsames Hobby.

Bobby hat also eine Freundin und das reicht ihm vollkommen. Er braucht keine anderen Hunde um glücklich zu sein, sondern seinen Menschen und dessen Respekt gegenüber seinen Bedürfnissen.

 

Deine Tina

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